Haarseife und festes Shampoo

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem festen Shampoo und Haarseife?

Haarseife

Bei der Haarseife handelt es sich um eine gesiedete Seife. Sie besteht aus den Grundzutaten Fett und Lauge, die bei der Herstellung miteinander verseifen. Je nachdem welche (meist) pflanzlichen Fette oder Öle verwendet werden, wird die Seife mal mehr, mal weniger rückfettend. Darüber hinaus können andere Zutaten wie ätherische Öle, Parfümöle, getrocknete Pflanzenauszüge, Farben oder weitere pflegende Inhaltsstoffe hinzugegeben werden.

Nach der Verseifung bleibt ein kleiner Teil der Öle in der Seife zurück. Dieser wird als „Überfettung“ bezeichnet und ist von Öl zu Öl unterschiedlich. Mit dem richtigen Know-How kann die Überfettung durch Auswahl der Zutaten bewusst gesteuert werden. Allerdings ist zu beachten, dass ein hoher Prozentsatz an Überfettung nicht immer gleichzusetzen ist mit mehr Pflege. 6% eines sehr pflegenden Öls können wünschenswerter sein als 10% eines weniger pflegenden Öls.

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass eine Haarseife meist weitaus weniger schäumt als ein herkömmliches Shampoo. Hier sollte sich etwas Zeit genommen werden, um das Produkt dennoch auf wirklich alle Partien des Kopfes aufzutragen, um eine ausreichende Reinigung zu erzielen.

Ein Nachteil der Haarseife ist, dass sich bei sehr hartem – also sehr kalkhaltigem Wasser – sogenannte „Kalkseife“ bilden kann. Diese entsteht, da die im Kalk enthaltenen Kalzium- und Magnesiumsalze die Waschleistung der Seife mindern. Kalkseife ist der Grund, wieso manche Menschen mit Haarseife das Gefühl haben ihre Haare nicht ganz sauber zu bekommen und strähnige Rückstände auf dem Kopf bemerken.

Um der Bildung von Kalkseife entgegen zu wirken, ist es ratsam eine „Saure Rinse“ zu verwenden. Hierbei handelt es sich um eine wässrige Lösung aus Wasser und Essig oder Zitronensäure. Diese wirkt darüber hinaus adstringierend, also zusammenziehend. Dies ist wichtig, da das Haar durch den basischen pH-Wert der Seife stärker aufquillt als mit herkömmlichem Shampoo. Die Saure Rinse hilft die Schuppenschicht wieder zu schließen und die Haare glatter und kämmbarer zu machen.

Seifen

Festes Shampoo

Festes Shampoo ist vereinfacht gesagt ein herkömmliches Shampoo, welchem das Wasser entzogen wurde. Es enthält also die klassischen Inhaltsstoffe eines Shampoos.

Hier wird nicht mit Natronlauge gearbeitet, sondern ein Tensid – auf Zucker- oder Kokosbasis oder Sodium Lauryl Sulfat (SLS), bzw. Sodium Laureth Sulfat (SLES) – von außen zugeführt. Der Rest setzt sich aus pflegenden Fetten und Ölen, Farben und Duftstoffen zusammen. Festes Shampoo wird nicht gesiedet, sondern zusammengerührt und in Form gepresst. Danach muss nichts mehr reifen, sondern nur noch trocken, was maximal ein paar Tage dauert.

Aufgrund der Zusammensetzung und des anderen pH-Wertes als Seife ist hier meist keine Saure Rinse erforderlich, da es nicht zur Bildung von Kalkseife kommt. Dies ist der Grund, wieso Menschen mit sehr hartem Wasser – wie beispielsweise meine Wenigkeit – mit festem Shampoo meist besser klarkommen als mit Haarseife. Ebenso schäumt ein festes Shampoo in der Regel genauso stark wie ein normales, flüssiges Shampoo.

Gemeinsame Vorteile

Welches Produkt ist das Richtige für dich?

Viele Menschen entscheiden sich für Haarseife, da sie das Ursprüngliche eines Produktes schätzen, welches in sehr ähnlicher Form schon seit Jahrtausenden hergestellt wird. Zudem berichten sie davon, dass ihre Haare griffiger und voluminöser als mit herkömmlichem Shampoo werden und sogar stärker glänzen.

Allerdings kann es nach der Umstellung auf Haarseife eine Weile dauern bis sich das Haar an die neue Reinigung gewöhnt hat. Vor allem, wenn vorher mit silikonhaltigen Shampoo gewaschen wurde. Diese kann je nach Haut- und Haartyp mehrere Tage bis Wochen dauern.

Für die Verwendung eines festen Shampoos spricht, dass es neben den Haarseifenenthusiasten auch nicht wenige Menschen gibt, die aus unterschiedlichen Gründen auch nach längerem Versuchen nicht mit Haarseife klarkommen, aber dennoch ein festes, verpackungsfreies Produkt verwenden möchten. Eine Saure Rinse wie nach der Haarwäsche mit Seife ist bei einem festen Shampoo nicht nötig.

Ein immer wieder erwähnter, vermeintlicher Nachteil ist das in herkömmlichen Shampoos enthaltene Tensid, meist SLS oder SLES. Allerdings muss hier genau hingeschaut werden. Zum Einen gibt es in der Naturkosmetik feste Shampoos die auf SLS und SLES verzichten, die als besonders „scharf“ gelten und von manchen Menschen daher gerne vermieden werden.

Zudem kommen Haar und Kopfhaut bei der Verwendung eines festen Shampoo nur mit dem Schaum in Berührung. Flüssiges Shampoo trägt man jedoch nahezu unverdünnt direkt auf die Kopfhaut auf, was das Irritationspotential natürlich zusätzlich erhöht.

Veröffentlicht am 19. Mai 2018
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