Passionsblume

Passiflora incarnata L.

Wirkung

Die in der Passionsblume enthaltenen wirksamen Substanzen sind wahrscheinlich vor allem die C-Glykosylflavone von Apigenin und Luteolin sowie verschiedene Polysaccharide. Es konnte nachgewiesen werden, dass Passionsblumenkraut krampflösend und beruhigend wirkt. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass bestimmte Extrakte zusätzlich die Fähigkeit haben, den Blutzuckerspiegel zu senken. Somit könnten Passionsblumen-Präparate in Zukunft auch vielleicht bei Diabetes eingesetzt werden. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Inhaltsstoffe in essbaren Samen der Passionsfrucht vor freien Radikalen schützen, die sich beispielsweise bei Sonneneinstrahlung in der Haut bilden. Die Wirksamkeit im Menschen konnte bisher allerdings noch nicht vollständig bestätigt werden.

Aussehen

Die Passionsblume ist ein Kletterstrauch, der mit seinen korkenzieherartigen Ranken eine Höhe von bis zu 10 m erreichen kann. Die behaarten, dunkelgrünen Blätter sind dreiteilig gelappt. In der Blütezeit von Mai bis September bilden sich die bis zu 9 cm großen Blüten, die wohl zu den schönsten im Pflanzenreich gehören. Die Blütenblätter, die weiß bis rötlich-violett sind, bilden einen 10-blättrigen Kreis. Eine Besonderheit der Pflanze ist ein weiterer Kranz innerhalb dieses Kreises, der aus Fäden besteht, die innen weiß und außen rötlich-violett gefärbt sind. In der Mitte der Blüte sitzt der ebenfalls sehr auffällige Fruchtknoten. Nach der Blüte bilden sich die essbaren, ca. 6 cm großen Beerenfrüchte. Diese haben eine gelbliche Schale und beinhalten viele bräunliche Samen.

Passionsblume Illu

Verwendete Pflanzenteile

Für medizinische Präparate werden vor allem die frischen oder getrockneten, oberirdischen Pflanzenteile verwendet, die als Passionsblumenkraut bezeichnet werden. Die Ernte erfolgt meistens zur Blütezeit oder wenn bereits Früchte gebildet wurden.

Verbreitung

Die Fleischfarbene Passionsblume ist im Südosten Nordamerikas sowie in Mittel- und Südamerika heimisch. Sie wurde bereits sehr früh auch in Europa eingeführt, da sie relativ kälteresistent ist und an frostfreien Standorten überwintern kann. Die Pflanze bevorzugt hierbei trockene und nicht sehr fruchtbare Böden. Der Anbau erfolgt vor allem in den USA, Südeuropa und Indien.

Geschichte und Rituale

Die Geschichte der zauberhaften Passionsblume führt in die südöstlichen Regionen Nordamerikas und nach Mittelamerika. In der damals unbesiedelten Wildnis wuchs die Passiflora incarnata als verborgene Schönheit und wurde von den Ureinwohnern als Heil- und Ritualpflanze geschätzt. Die Indianer nutzten vorrangig die Wurzel der Pflanze als Arzneimittel und verwendeten diese auch, um einen Heiltrank herzustellen.

Giovanni Baptista Ferrari  De Florum Cultura

Dazu mischte der Stamm der Houma Wurzelstücke in Trinkwasser und verwendete das Gebräu zur Gesunderhaltung des Blutes. Bei den Cherokees setzte man die Pflanze gegen Leberleiden oder Entzündungen ein. Der abgekochte Sud sollte in die Ohren geträufelt gegen Ohrenschmerzen helfen und als Breiumschlag Wunden versorgen. Zudem zählte die Passionsblume zu den Nahrungsmitteln der Einheimischen und wurde auch als Räuchermischung verwendet. Geraucht hatte sie eine halluzinogene Wirkung und diente unter anderem den Schamanen als Ritualpflanze.

Nach der Entdeckung der neuen Welt eigneten sich die Priester und Ärzte das Wissen der amerikanischen Ureinwohner an und verwendeten die Passionsblume ebenfalls als Arzneipflanze. Der Botaniker und Arzt Nicolás Bautista Monardes (1493-1569) entdeckte die Passiflora incarnata auf einer seiner Reisen im Jahre 1569 in Peru. Trotz seines Funds dauerte es aber noch Jahrzehnte, bis sich die Pflanze in Europa etablierte.

Das italienische Werk “De florum cultura“ des Botanikers und Jesuiten Giovanni Baptista Ferrari (1584-1655) verbindet das Aussehen und den lateinischen Namen der Passionsblume mit dem Leidensweg Christi. Er beschrieb die einzelnen Pflanzenteile als Symbole der Kreuzigung: Die zehn Blütenblätter sollen die Apostel symbolisieren (ohne Judas und Petrus), die violett-weiße Nebenkrone die Dornenkrone, die fünf gelben Staubblätter die Wunden und die drei rotbräunlichen Griffel die Kreuznägel. Später[nbsp]deuteten die Christen auch andere Pflanzenteile als religiöse Symbole.

Der Name Passiflora incarnata setzt sich zusammen aus dem Wort passio, welches für Leiden steht, flos, was übersetzt Blume heißt und incarnata, was so viel wie Leidensweg bedeutet. Die Namensgebung führt demzufolge auf den christlichen Glauben und die Missionare aus der neuen Welt zurück.

In seinem 1649 erschienenen Buch “Schatz der Arzneimittel aus Neuspanien“ beschreibt der spanische Entdecker und Naturforscher Francisco Hernández de Toledo (1517-1587) die Heilpflanze als Mittel gegen Schlaflosigkeit, als Harn fördernd, appetitanregend und als ausgezeichnete Hilfe gegen Vergiftungen und Melancholie.

Durch ihr exotisches und außergewöhnliches Aussehen wurde die nordamerikanische Passionsblume auch zu einer beliebten Zierpflanze in Europa.

Im Jahre 2011 wurde die Passiflora incarnata zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Zu der Gattung der Passiflora gehören mehr als 400 Arten. Da eine Vielzahl davon essbare Früchte hervorbringt, zählt ihr Obst, vorrangig die Maracuja, als begehrte Handelsware. Die Maracuja ist die Frucht der Passiflora edulis, welche ursprünglich aus Brasilien, Paraguay und Argentinien stammt.

In der Naturheilkunde schenkt die Passiflora incarnata einen erholsamen Schlaf und wirkt gegen Unruhezustände. Diese Blume ist ein Sinnbild für Frieden. Vielleicht weil sie von dem Leidensweg Christi erzählt und gleichermaßen Heilung schenkt.

  • Anwendungsgebiete:
  • Nervöse Unruhezustände
  • Schlafstörung
Veröffentlicht am 16. Mai 2018
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