Ringelblume

Calendula officinalis L.

Wirkung

Die Ringelblume enthält unter anderem ätherisches Öl, Triterpendiole mit Faradiolmonoestern, Carotinoide und Polysaccharide. Insgesamt wirken diese Inhaltsstoffe entzündungshemmend und antibakteriell. Die Polysaccharide können zusätzlich stärkend auf das Immunsystem wirken. Zudem sollen die Carotinoide die Wundheilung fördern, was allerdings noch nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Nebenwirkungen von Ringelblumen-Extrakten sind nicht bekannt.

Aussehen

Die einjährige Ringelblume wird 30-50 cm hoch und besitzt einen kantigen Stängel, der im oberen Teil flaumig behaart ist. Die Blätter am Grund sind spatelförmig, jene, die weiter oben wachsen, haben eine längliche, lanzettliche Form und sind filzig behaart. Von Juni bis September sind die großen, orange-gelben Blüten zu sehen. Aus diesen entwickeln sich viele ringförmige Samen, die namensgebend waren.

Verwendete Pflanzenteile

Heutzutage werden vor allem die Blüten verwendet, die entweder vom Blütenboden abgetrennt oder gemeinsam mit diesem getrocknet werden. Früher wurde auch oft das Ringelblumenkraut, die oberirdischen Pflanzenteile, verarbeitet. Die Wirksamkeit des Krauts konnte in Studien jedoch nicht bestätigt werden.

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Echte Ringelblume, Calendula officinalis / Johann Georg Sturm

Verbreitung

Wahrscheinlich aus dem Mittelmeergebiet stammend hat sich die Ringelblume als Zierpflanze über Mittel-, Südeuropa, Westasien und die USA ausgebreitet und ist dort auch oft verwildert anzutreffen. Sie wächst dann auf Schuttplätzen, an Wegrändern und in Weinbergen. Die Blüten, die in medizinischen Präparaten verwendet werden, stammen aus dem Anbau im Balkan, in Osteuropa, den Niederlanden, Syrien und Ägypten.

Geschichte und Rituale

„Der Ringelblume Knospe schließt die goldnen Äuglein auf;

mit allem, was da reizend ist, du süße Maid, steh auf!“

Mit diesem lyrischen Text schenkt der österreichische Komponist Franz Schubert (1797-1828) der schönen Ringelblume ganz besondere Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich bezieht sich der Künstler dabei auf die Blüte der Ringelblume, die am Morgen ihre Schönheit entfaltet, indem sie sich bei Sonnenschein öffnet. Jahrhunderte lang galt die Pflanze als Vorhersage des nahenden Wetters, da sie bei hoher Luftfeuchtigkeit und aufziehendem Regen ihre Blütenblätter schließt. Im Volksmund wurde sie aus diesem Grund auch Regenblume genannt.


Die Calendula officinalis ist eher einer Heilpflanze des Mittelalters als des Altertums. Eindeutige Nachweise bestätigen die Ringelblume in der Naturheilkunde erst ab dem 12. Jahrhundert. In dieser Epoche empfiehlt die Universalgelehrte Hildegard von Bingen (1098-1179) die Pflanze innerlich verwendet gegen Verdauungsbeschwerden und Vergiftungen und äußerlich als Specksalbe, aufgetragen gegen Ekzeme. Durch die Benediktinerin gewann die Ringelblume zunehmend auch in der Klosterheilkunde an Ansehen.

Der Gelehrte und Bischof Albertus Magnus (um 1200-1280) lobte die Heilkraft der Ringelblume bei Milz- und Leberleiden und setzte sie zur Behandlung von Tierbissen ein.

In der Volksmedizin behandelte man unter anderem Brustdrüsenentzündungen, schwer heilende Wunden und Verbrennungen mit der Calendula.

Der Spruch „andere Länder andere Sitten“ birgt wohl auch in der Naturheilkunde die Wahrheit. So wurde in Schlesien die bekannte Ringelrosenbutter erfunden, die zum Schmieren eines verdorbenen Magens diente. In Tschechien hingegen setzten die Menschen die Heilpflanze gegen Herzstechen und zur Regelung der Menstruation ein. Des Weiteren kam sie bei Gelbsucht und als schweißtreibendes Mittel zum Einsatz.

In der mystischen Welt der Pflanzen stand die Ringelblume zum Beispiel für Schutz, Wahrträume und übersinnliche Fähigkeiten. Als Symbol für Unvergänglichkeit wurde sie für zahlreiche Liebeszauber eingesetzt. So glaubten die Menschen, dass es helfe, ein veilchenblaues Tüchlein mit der Wurzel der Ringelblume bei sich zu tragen, um bei den Frauen beliebt zu sein. Auch sollte die Pflanze unter dem Bett oder dem Kopfkissen verstreut hellsichtige Träume schenken und diese wahr werden lassen. Eine Salbe aus Sommerkräutern, Honig, Essig und der Ringelblume wurde bevorzugt, wenn man von seiner großen Liebe träumen wollte. Dazu rieben sich die jungen Frauen mit der Creme ein und baten den Heiligen Lukas um den nötigen Traum. Zudem hieß es, dass die Blume mittags gepflückt das Herz stärkt und Trost spendet. Nur der Anblick der orangefarbenen und roten Blüten sollte ausreichen, um die Sehkraft zu stärken. Ein zauberhafter Volksglaube war, dass ein Mädchen, wenn es mit bloßen Füßen die Blütenblätter berührt, die Sprache der Vögel versteht. Um zarte Feen sichtbar zu machen, träufelte man sich Ringelblumenwasser auf die Augenlider. Das Abpflücken der Blume hingegen beschwor Gewitter herauf. Da die Ringelblume für Unvergänglichkeit stand, war sie unter anderem ein Pflanzenschmuck für Gräber und erhielt aus diesem Grund auch den Namen Totenblume.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Calendula officinalis buchstäblich zu einer Modearznei, die ihre Anwendung auch in der Krebstherapie fand. In diesem Jahrhundert empfiehlt sie auch der Hydrotherapeut Sebastian Kneipp (1821-1897) gegen bösartige Geschwüre und Magenentzündungen.

Aufgrund ihrer vielfältigen Verwendung und Farbenpracht trägt dieser Schatz der Natur zu Recht auch den Namen Goldblume. Andere Bezeichnungen für die Ringelblume sind zum Beispiel Ringelnelke und Ringelrose. Die Begriffe Calendula oder Sonnenwende führen wahrscheinlich auf das tägliche Öffnen und abendliche Schließen der Blüten zurück. Ähnlich einem Kalender kennzeichnet die Ringelblume so jeden neuen Tag.

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  • Anwendungsgebiete:
  • Wunden
  • Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
Veröffentlicht am 10. Sep. 2018
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