Spitzwegerich

Plantago lanceolata L.

Wirkung

Der Spitzwegerich enthält Aucubin und weitere Schleimstoffe, sowie Flavonoide und Gerbstoffe. Die Schleimstoffe weisen eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung auf. Ebenso wirken Spitzwegerich-Präparate reizlindernd bei entzündlichen Atemwegsbeschwerden. Durch äußerliche Auftragung können die Präparate auch als Wundheilmittel verwendet werden.

Aussehen

Die Wuchshöhe der Pflanze kann bis zu 50 cm betragen. Die Wurzeln des Spitzwegerichs können bis zu 60 cm tief in den Boden reichen. Am Pflanzengrund sitzen die lanzettförmigen Blätter. Von Mai bis September sind die Blüten in dichten Ähren zu sehen.

Verwendete Pflanzenteile

Zur Blütezeit, Mai bis September, werden die oberirdischen Pflanzenteile gesammelt. Sie können in frischer oder getrockneter Form weiterverwendet werden.

Verbreitung

Der Spitzwegerich kommt heimisch in Europa, Nord- und Mittelasien vor und ist eingeschleppt auch in Nordafrika und Amerika zu finden. Vorwiegend ist die Pflanze auf Äckern oder an Wegen zu sehen.

Plantago Lanceolata Sturm61
Johann Georg Sturm, Deutschlands Flora in Abbildungen

Geschichte und Rituale

Seinem deutschen Namensursprung zufolge galt der Spitzwegerich im Mittelalter als König und Beherrscher des Weges, da das althochdeutsche Wort Wega für den heutigen Weg und die Bezeichnung Rih für einen König stand. Die althochdeutsche Schrift und Sprache wurde zwischen circa 750-1050 verwendet, sodass davon auszugehen ist, dass der Wegerich beständig das Interesse der Menschen fand. Sein lateinischer Gattungsname hingegen bezieht sich auf sein Lanzen ähnliches Aussehen und ist abgeleitet von dem Wort lancea welches übersetzt Speer bedeutet. Das lateinische Wort planta beschreibt die Laubblätter, die in ihrer Form Fußsohlen gleichen.

Der Wegerich ist eine Heilpflanze, die bereits im klassischen Altertum von griechischen und römischen Ärzten gegen zahlreiche Krankheiten verwendet wurde. So schreibt Dioskurides den Blättern der Pflanze im 1. Jahrhundert eine adstringierende und austrocknende Wirkung zu und rät zu einer Behandlung bei zum Beispiel Geschwüren, Brandwunden und Tierbissen. Zudem empfiehlt er sie bei erhöhtem Lymphstau in einzelnen Körperteilen und Blutfluss im Allgemeinen. Das gekochte Kraut benutzte er, um die Ruhr zu bekämpfen und Epilepsie und Asthma zu lindern.

Der römische Gelehrte Plinius (um 23 n. Chr. - 76 n. Chr.) bestätigte die Annahme des Griechen Dioskurides, indem er den Saft des Wegerichs als sicheres Mittel gegen Bisswunden von Tieren, vor allem gegen den Stich eines Skorpions, verwendete.

Dem nordischen Namen Läkeblad nach war die Ritual- und Heilpflanze auch den alten Germanen bekannt. Aus dem Schwedischen übersetzt[nbsp] bedeutet diese Bezeichnung Heilblatt.

Im Mittelalter galt der Plantago lanceolata in der allgemeinen Volksmedizin als blutstillend, schleimlösend, fiebervertreibend und wundheilend. In dieser Zeit glaubten die Menschen, dass man sich von angezauberter Liebe befreien könnte, wenn man die Pflanze stark „purgierte“ (lat. purgare = reinigen, sühnen). Außerdem gab es komplexe Rituale die den Wegerich benötigten, um einen außergewöhnlich starken Geschlechtstrieb zu unterdrücken. Eine Suppe, gespeist am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, sollte helfen, sich mit der belebenden Kraft der Jahreszeit zu verbinden. In die Kräutersuppe wurden insgesamt neun Pflanzen gerührt. Eine davon war der Spitzwegerich.

In der angelsächsischen Heilkunde gehörte er zu den neun Kräutersegen.[nbsp] Da die Plantago aufgrund ihrer Wachstumsgebiete häufig mit den Füßen der Menschen in Berührung kam und ihre Blattform denselben glich, glaubte man auch, dass Sie imstande sei, Fußleiden zu lindern.

Unabhängig von den Gelehrten wie zum Beispiel Hildegard von Bingen (1098-1179) und Albertus Magnus (um 1200-1280), die das Heilkraut ähnlich wie die Ärzte aus dem Altertum lobten, erwähnte auch der berühmte William Shakespeare (getauft 1564-1616) in seinen Werken mehrfach den Plantago. „Plantain“, so schrieb er, sei ein gutes Mittel gegen Hautverletzungen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Spitzwegerich wieder an Bedeutung in der Heilkunde und wurde vorrangig als Futterpflanze für das Vieh verwendet.

Das traditionsreiche europäische Kraut ist heute nahezu weltweit aufzufinden und wird für den arzneilichen Gebrauch hauptsächlich in Osteuropa und den Niederlanden angebaut. Die Spitzwegerich Extrakte werden in erster Linie zur Wundheilung der Haut und gegen Entzündungen eingesetzt. Da seine Gerbstoffe adstringierend wirken und die enthaltenen Schleimstoffe Reiz mildernd sind, ist die Heilpflanze ein ideales und natürliches Mittel in der derzeitigen Homöopathie.

Weitere Namen für den vielseitigen Spitzwegerich sind zum Beispiel Sauohr, Wegtritt, Schafzunge, Rippenkraut oder Lügenblatt.

  • Anwendungsgebiete:
  • Entzündung der Atemwege
  • Entzündung der Schleimhäute
  • Hautentzündungen
Veröffentlicht am 11. Sep. 2018
  • Bildquellen
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