Ein bisschen Mundraub muss sein

Prall. Die Sonnenseite mit roten Bäckchen. Saftig. Von groß bis klein, über rund, eierförmig oder gerippt. Mmh Lecker. Baden-Württemberg besitzt die bedeutendsten Streuobstbestände Europas mit über 3000 unterschiedlichen Sorten. Doch nicht nur auf Streuobstwiesen im Ländle gedeiht prächtiges Obst, sondern überall in ganz Deutschland. An Straßenrändern, in Gärten, Parks oder Wäldern. Quasi direkt vor der Haustür.

Auch bei der Initiative Mundraub.org aus Berlin dreht sich seit 2009 alles ums Obst. Bei einer Paddeltour stießen die Gründer Kai Gildhorn und Katharina Frosch auf herrenlose Obstbäume, an denen ungeachtet die leckeren Früchte vergammelten. Das brachte sie auf eine Idee: Die MundraubMap, eine interaktive Karte, auf der Fundorte von Obstbäumen, Nüssen und Beeren markiert werden. Die Plattform lebt davon, dass verantwortungsvoll und respektvoll mit der Natur und den kulturellen und privatrechtlichen Gegebenheiten umgegangen wird.

Mundraub Screenshot
Screenshot der Mundraub-Karte

Interview mit Konstantin von Mundraub

auch genannt; der „Schöne von Boskoop“ 

Was ist das besondere an Mundraub?
Heutzutage gibt es viele gute Plattformen und unterschiedliche Initiativen im Internet. Die Meisten schaffen es jedoch nicht, den Link zwischen der virtuellen und reellen Welt herzu- stellen. Mundraub schafft es, die Nutzer anzuspornen und neugierig zu machen. Raus gehen und mit Entdeckeraugen durch die Welt gehen, um in Vergessenheit geratene Früchte wertzuschätzen und sie als Teil unserer Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu erhalten.

Mundraub Konstantin
Konstantin Schroth von Mundraub.org

Wie funktioniert Mundraub?
Über 16.500 registrierte Benutzer sammeln die Standorte von Obstbäumen/-sträuchern, Nüssen, Beeren und auch Kräutern auf der interaktiven MundraubMap. Hinter jedem Icon auf der MundraubMap stehen echte Bäume, Sträucher und Kräuter. Der Mundräuber trägt dabei den Fundort sowie eine Beschreibung ein und hat die Möglichkeit ein Bild hochzuladen. Anschließend kann die Community den Fundort kommentieren, bewerten oder melden.

 

Was sind die Mundräuber-Regeln und darf ich mich einfach so an den Früchten bedienen?
Mundräubern funktioniert nur nach festen Regeln, denn keiner der Bäume, Sträucher und Pflanzen ist herrenlos. Gemeinschaftlich genutzte Flächen gibt es in Deutschland nicht. Jede Fläche ist entweder Privateigentum oder steht unter staatlicher Hoheit. Neben dem Auf- spüren und Markieren von Standorten ist das Abklären der Nutzungserlaubnis ein zentraler Bestandteil des Mundräuberns.

 

Was liegt euch sonst noch am Herzen?
Es sollte behutsam und schonend geerntet werden und nur so viel, wie man wirklich benötigt – Vögel und Insekten sollen auch noch ihren Anteil bekommen. Streuobstwiesen sind nämlich ein wahres Biotop. Besonders engagierte Mundräuber können auch bei der Baumpfleege und Neupflanzung mitwirken. Also: Statt für importierte Früchte aus dem Supermarkt Geld auszugeben lieber neue Obstbäume pflanzen, die in Zukunft bestenfalls gemeinschaftlich genutzt werden.

Warum eigentlich der Name „Mundraub“?
Mundraub ist ein umgangssprachlicher Begriff, für die Entwendung von Nahrungs- oder
Genussmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert. Wir haben den Namen gewählt, um die Leute zum Schmunzeln zu bringen, aber auch um zu provozieren. Bis jetzt ist uns das ganz gut gelungen. Ein Name wie Obstkarte wäre glaube ich nicht so eingeschlagen.

Wie geht es weiter mit Mundraub. Was sind die Ziele?
Momentan versuchen wir weitere Mundraubregionen zu schaffen, die gemeinschaftlich ge-
nutzt werden. Weiterhin probieren wir gemeinsam mit Unternehmen Streuobstwiesen als Ausgleichsflächen zu schaffen und bestehende richtig zu nutzen.

Was ist dein ganz persönlicher Mundräuber-Tipp?
Ich liebe Kornelkirschen. Die habe ich für mich entdeckt und sie sind mein Geheimtipp. In meinen Augen eine kulinarische Sensation.

Lennart Arendt
Veröffentlicht am 05. Jan. 2018
  • Bildquellen
  • ©mploscar / pixabay.com
  • ©Konstantin Schroth
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