Kies, Kröten, Kohle, Knete...

Kapitel 1 - Wenigererer ist mehr

Versunken im Konsumpf

Am Anfang brauchtest du gar nicht viel. Du wurdest quasi als Minimalist geboren. Das einzige was für dich zählte war die Fürsorge deiner Eltern und die Befriedigung deiner Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wärme und Schlaf. Selbst später, als du schon größer warst und auf eigenen Beinen stehen konntest, reichten dir Kleinigkeiten wie ein Stöckchen aus, um stundenlang versunken am Bach spielen und glücklich sein zu können.

Doch heute erliegst wahrscheinlich auch du, wie fast jeder andere auch, den Verlockungen des (krankhaften) Konsums. Mit dem Alter werden mehr und mehr Dinge angehäuft, von denen man die wenigsten wirklich benötigt. Oh je! Langsam füllen sich die Regale im Wohnzimmer mit Filmen und Büchern, der Keller platzt aus allen Nähten, ja sogar die Garage wird als Abstellfläche für Weihnachtsdeko missbraucht und das Auto muss selber sehen, wo es bleibt. Dabei geht nicht nur Platz verloren, sondern vor allem viel viel Zeit. Denn Konsumartikel müssen ausgesucht, gekauft, heimgebracht, zusammengebaut, verwendet, sortiert, gepflegt, repariert und ersetzt werden. Der Komiker Will Rogers sagte dazu passend:

Kind Pusteblume

“Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.

Will Rogers US-amerikanischer Komiker, Schauspieler, Autor sowie Cowboy

Und was nun? Back to minimalism? Im Schnitt wird ein Deutscher Haushalt von über 10.000 Dingen geziert. Doch davon werden nur 100 regelmäßig gebraucht. Also einfach mal klein anfangen und nach und nach unnötigen Ballast loswerden. Zum Beispiel indem du Dinge verkaufst, tauschst oder an Bedürftige spendest, denn das ist sinnvoll und gibt ein gutes Gefühl.

Minimalismus
Weniger ist einfach mehr.... Autsch!

Kapitel 2 - Raus aus Haben, auf zum Sein!

Glück Endlich Leben Dürfen

Ein Indianer sitzt gemütlich am Fluss und angelt. Ein Mann fährt in einem Sportwagen vor, lässt das Fenster runter und fragt den Indianer: „Was machst du da?“

Der Indianer sagt:
„Ich fange einen Fisch, bringe ihn nach Hause und meine Frau bereitet ihn lecker zu. Wir essen den Fisch und lassen es uns richtig gut gehen. Morgen fange ich dann einen neuen Fisch.“

Der Mann fragt:
„Warum besorgst du dir nicht noch eine zweite Angel, dann könntest du noch mehr Fische fangen?

Der Indianer antwortet:
„Aber ich brauche doch nur einen Fisch, was soll ich mit dem Zusätzlichen machen?“

Der Mann entgegnet:
„Den anderen verkaufst du und besorgst dir dann noch bessere Angelhaken und Köder. So kannst du noch mehr Fische fangen und bekommst noch mehr Geld. Anschließend kaufst du dir ein Boot und ein Netz und bist richtig groß im Geschäft. Irgendwann bist du ein reicher Mann! Danach kannst du einen schönen Urlaub machen und es dir beim Angeln am Fluss richtig gut gehen lassen.“

Der Indianer stutzt, lacht schließlich und sagt:
„Ja du hast recht, das könnte ich tun, aber ich sitze doch schon am Fluss und fische.

Der Mann tritt wütend aufs Gas und fährt mit quietschenden Reifen davon.

Indianer Fluss

Der Mann wünscht sich sein Leben lang als Millionär das nötige Geld zu haben, um endlich das zu tun, wovon er träumt - völlig ohne Sorgen und Zwänge in Freiheit leben. Doch diese Vorstellung ist eine Illusion. Diese Freiheit wird er niemals finden, denn entweder er ist immer frei oder nie. Wir meinen, wenn wir „genug“ Geld besitzen würden, wären wir glücklich. Einmal abgesehen davon, dass es „genug“ nicht gibt und sich der Maßstab im Laufe unseres Lebens immer weiter nach oben verschiebt, gibt es auch immer die Angst, seinen Besitz wieder zu verlieren. Eine Reise kann man in jeder Preislage machen, eine gemütliche Wohnung kann ein oder vier Zimmer haben oder?

Wir sehen unsere Möglichkeiten im Hier und Jetzt - oder wir sehen sie jetzt nicht, dann werden wir sie als Millionäre auch nicht sehen. Mit dieser Haltung, sich erst etwas verdienen zu müssen, landen wir in der Selbstausbeutung.

Ganz anders sieht es z.B. bei Kay One aus, der einen geld- und styleorientierten Lebensansatz verfolgt...

Kapitel 3 - Von Anspruch und Realität

Die dunkle Seite der Banken

Was geschieht mit dem Geld, das du bei deiner Bank anlegst? Eines ist sicher und kein Geheimnis: Das Geld liegt nicht untätig im Tresor rum. Deine Bank lebt davon, mit dem Geld zu arbeiten und es zu mehren. Die Bank vergibt Möglichkeiten und Potentiale in Form von Krediten. Aber auch Versicherungen arbeiten mit deinem Geld, bspw. in dem sie es in Aktienfonds investieren.

In der Regel weißt du nicht wer dein Geld bekommt und damit seine Möglichkeiten entwickelt und Träume verwirklicht. Stellt derjenige mit Hilfe des Kredits Kinderspielzeug oder automatische Handfeuerwaffen her? Bekommt ihn ein Unternehmen, das Kinder ausbeutet und Gift in den Fluss leitet oder der Bio-Bauer von nebenan, der endlich die Chance hat eine dringend benötigte Maschine zu kaufen? Wer weiß das schon...

Es laufen dunkle Geschäfte, Zockerei ist an der Tagesordnung, die Kassen im Rohstoffkasino klingeln. Leider können wir nicht sagen, „damit habe ich nichts zu tun“. Wir sind live dabei. Unsere Guthaben von Konten sowie Versicherungsbeiträge verschwinden in der Blackbox der Finanzindustrie. Was dann genau in der Blackbox passiert, das können nur wenige erklären, selbst Spekulanten und Aufseher haben den Durchblick verloren. Aber eigentlich egal, denn Hauptsache am Ende stimmt die Rendite. Yeah!!!

Seit der Finanzkrise vor ein paar Jahren wurde viel geredet und die Banken versuchen ihr angeknackstes Image mit der ein oder anderen Werbekampagne wieder aufzupolieren. Jedoch sind viele Taten reine Fassade, denn Anspruch und Wirklichkeit klaffen in der Realität weit auseinander.

Die wenigsten Finanzberater werden dich bei ihrer Beratung darauf aufmerksam machen, also bist du gefragt. Du willst endlich wissen, was mit deinem Ersparten passiert und die Kontrolle zurückgewinnen? Kein Problem, denn es gibt gute und einfache Alternativen.

Möge die Macht mit dir sein!

Kapitel 4 - Sinnvolle Rendite

Mein Geld verändert die Welt

Grünes Geld ist der Sammelbegriff für Kapitalanlagen, die ökologisch, ethisch, nachhaltig oder sozial orientiert sind. Neben den klassischen Anlagezielen Rendite, Sicherheit und Liquidität, können Anleger zusätzlich noch ökologische sowie ethische Ziele verfolgen.

Aber was unterscheidet nun eine nachhaltige von einer herkömmlichen Geldanlage?

Das Geld wird nur nachhaltig agierenden Unternehmen und Organisationen zur Verfügung gestellt. Zunächst bewerten Experten die Unternehmen nach einem festgelegten Kriterienkatalog im Branchenvergleich, der in der Regel Kernthemen wie Umweltschutz und Ethik umfasst. Anschließend werden je nach Anlagestrategie Beteiligungen erworben oder Kredite zur Verfügung gestellt. Was dabei nachhaltig bedeutet, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben und mehr oder weniger Auslegungssache. Bislang gibt es leider kein einheitliches Gütesiegel für nachhaltige Finanzprodukte.

Es gibt zwei wesentliche Anlagestrategien, die auch miteinander kombiniert werden können:

1. Best-in-Class-Prinzip

Das am nachhaltigsten bewertete Unternehmen aus einer Branche wird ausgewählt. So soll der Wettbewerb gefördert werden. Großer Kritikpunkt: Hier werden nicht fragwürdige Branchen ausgeschlossen wie z.B. Erdöl, Glücksspiel oder Rüstung. Überspitzt gesagt, könnte es also auch sein, dass der nachhaltigste Waffenhersteller im Depot dabei ist.

2. Positiv- bzw. Negativkriterien

Ja- oder Nein-Prinzip. Hier werden gesamte Branchen ausgeschlossen oder bestimmte Kriterien definiert, die Unternehmen erfüllen müssen, um ins Portfolio aufgenommen werden zu können. Negativkriterien sind z.B. Atomkraft, Rüstung, Kinderarbeit oder Tierversuche. Positivkriterien sind bspw. hohe Energieeffizienz, Chancengleichheit oder Mitbestimmung.

Achtung immer genau hinschauen! Bei der Fülle an unterschiedlichen Finanz- und Versicherungsprodukten, empfehlen wir dir eine professionelle und individuelle Beratung. Weitere Informationen zu grünem Geld, Siegeln und eine Übersicht an Beratern gibts auf www.ecoreporter.de.

In Deutschland wird nur ein Bruchteil nach ökologischen oder sozialen Standards angelegt, aber mit steigender Tendenz. 2013 waren es bescheidene 30 Mrd. EUR von 8.800 Mrd. EUR. Doch nachhaltige Finanzprodukte sind entgegen allem Anschein keine Nischenprodukte mehr. Es stehen praktisch alle gängigen Finanzprodukte zur Verfügung wie Aktien, Investmentfonds, Investmentzertifikate, Rentenpapiere, Lebensversicherungen, Direktbeteiligungen, Sparbriefe, Sparkonten, Festgelder uvm.

Die Höhe des nachhaltigen Nutzens ist abhängig von der Anlageform: Bei Aktien, Anleihen oder Direktbeteiligungen bspw. kannst du selbst entscheiden, in welches Unternehmen investiert werden soll. Bei Sparbriefen, Sparkonten und Festgeldern werden die eingezahlten Gelder als Ganzes betrachtet und Kredite für umwelt- und sozialverträgliche Projekte vergeben. Hier hilft das grüne Geld, CO2 zu vermeiden, es unterstützt Unternehmen energieeffizienter zu werden, ökologischer einzukaufen, weniger Abfall zu produzieren. Denn dieses Kapital ermöglicht oft erst die nötige Finanzierung nachhaltiger Unternehmen und Projekte.

Kapitel 5 - Klare Sache

Es gibt immer eine Alternative

Es gibt Geldhäuser, die machen es von Grund auf anders. Wer bekommt mein Geld? Das ist die zentrale Frage, die nachhaltige Banken beantworten können. Denn der wichtigste Aspekt ist Transparenz. Auch die Alternativbanken greifen au Anlagestrategien mit dem Best-in-Class-Ansatz oder Ausschluss- bzw. Positivkriterien zurück und bieten Ihren Kunden vergleichbare Produkte und Service wie konventionelle Bankhäuser. Der Wechsel ist ganz einfach!

GLS Bank

Die GLS Bank (Abk.: Gemeinschaft für Leihen und Schenken) ist eine sozial-ökologische Universalbank, die 1974 gegründet wurde und seit dem die größte deutsche Nachhaltigkeitsbank geworden ist mit Hauptsitz in Bochum und sieben Filialen deutschlandweit. Das Bankgeschäft der GLS ist von vorne bis hinten nachhaltig ausgerichtet. Angefangen von den Produkten, über die Beratung oder den Büromöbeln - hier gehts um Nachhaltigkeit und das ist auch zu spüren. Viele der GLS-Kunden sind auch gleichzeitig Eigentümer ihrer Bank, denn sie ist genossenschaftlich organisiert und jedes Mitglied hat genau eine Stimme, um den Kurs der Bank mitzubestimmen.

2016 wurden Kredite in Höhe von ca. 2,5 Mrd. EUR an nachhaltige Projekte und Unternehmen vergeben. Dabei wird Transparenz groß geschrieben. Alle Kredite werden in der Kundenzeitschrift und auf der Webseite veröffentlicht und bei der Kontoeröffnung kann sogar entschieden werden, in welche Bereiche die Einlage angelegt werden soll.

Triodos Bank

Für die Triodos Bank (Griech. tri hodos für drei Wege) zählen Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Finanziert werden nur Unternehmen und Projekte, die zum Wohl von Mensch und Umwelt beitragen und einen sozialen oder kulturellen Mehrwert schaffen. Die Triodos stammt aus den Niederlanden und wurde 1980 von einer kleinen Gruppe sozial engagierter Menschen gegründet. Als eine der ersten Banken startete sie Mikrofinanzfonds für Entwicklungsländer. Seit 2009 ist die Triodos Bank Deutschland mit Sitz in Frankfurt a.M. am Markt. Mit über einer halben Mio. Kunden in verschiedenen Ländern ist die Triodos die größte „echte“ Nachhaltigkeitsbank. Die Triodos Bank ist eine Aktiengesellschaft. Die Anteile werden jedoch ausschließlich von einer Stiftung verwaltet, an der Anleger Anteile erwerben können.

Die Triodos investiert anhand produkt- oder prozessorientierter Ausschlusskriterien wie z.B. Tierversuche, Kohle, Glücksspiel oder Korruption. Auf der Internetseite können die finanzierten Projekte durchsucht werden.

EthikBank

Eisenberg liegt in Thüringen in der Nähe von Jena. Dort gibt es eine ganz normale Volksbankfiliale mit einer Tochter, der EthikBank . Seit 2002 gehört sie zu der Spitzengruppe im Nachhaltigkeitsbereich. Auf der Internetseite veröffentlicht das Bankhaus in welche Wertpapiere investiert wird und für welche konkreten Zwecke Kredite vergeben werden - Prinzip „gläserne Bank“. In Kurzanalysen wird erklärt, warum die grünen Geldanlagen in Frage kommen. Die EthikBank fördert je ein Ethik-, Frauen- und Umweltprojekt.

Auch die Kunden der EthikBank können diese Projekte durch die Wahl eines Förderkontos unterstützen. Die Idee basiert auf einer langfristigen Begleitung und einem gemeinsamen Engagement von Bank und Kunden.

Umweltbank

Die Umweltbank ist eine Aktiengesellschaft und ihr geht es um sauberes Wasser, reine Luft und eine gesunde Umwelt. Der Geschäftszweck ist der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und das ist in der Satzung verankert. Zwei Gremien sorgen dafür, dass die Anlagekriterien eingehalten werden. So wird jeder Euro ökologisch investiert.

Die Besonderheit ist, dass die Umweltbank für alle ihre Produkte einen Umwelt- bzw. Klimaschutzeffekt angibt, also wie sehr z.B. ein Windrad im Gegensatz zu einem konventionellen Pendant das Klima schont. 2012 wurden so 2,2 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Auf der Internetseite werden zudem alle Projekte offengelegt, die einen Kredit erhalten.

Kapitel 6 - Mikrofinanzen helfen weiter

Kleine Schritte zum Glück

Viele benachteiligte Menschen haben gute Ideen, wie sie ihre Situation verbessern können. Oft fehlt ihnen jedoch das Geld, da sie bei einer konventionellen Bank mangels Sicherheiten kein Konto eröffnen oder einen Kredit bekommen können. Oder sie bekommen einen Kredit zu völlig unfairen Bedingungen mit Wucherzinsen bei Kredithaien.

Oikocredit wurde 1975 als Genossenschaft gegründet, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern und einen ethischen Umgang mit Geld zu ermöglichen. Ein Großteil wird in Mikrofinanzen investiert. Muhammad Yunus aus Bangladesch ist der Begründer des Mikrofinanzgedankens und wurde dafür 2006 mit dem Friedensnobelpreis honoriert. Die vergebenen Darlehen sind in unseren Maßstäben betrachtet klein, deswegen heißen sie Mikrofinanzen.

Nach dem Leitmotiv „In Menschen investieren“ fließt das Geld der Anleger nicht in spekulative und undurchschaubare Finanzprodukte, sondern dorthin, wo es dringend benötigt wird, in die Realwirtschaft benachteiligter Länder. Weiterhin werden die Partnerorganisationen nicht nur mit finanziellen Mitteln ausgestattet, sondern die Fachleute von Oikocredit unterstützen und beraten, sodass Menschen eine Chance haben auf ihrem Weg aus der Armut.

In Kooperation mit der GLS Bank bietet Oikocredit ein Sparkonto an, bei dem doppelter Gewinn erzielt wird - sozial und ökonomisch. Oikocredit erhält Kredite in Höhe der angelegten Spargelder.

Kapitel 7 - Aller Abschied ist einfach

Der Abschiedsbrief

Wenn du wechseln möchtest: Schreib doch einen kurzen Abschiedsbrief an deine alte Bank. Und wenn du nicht gleich wechseln möchtest, dann frag doch mal kritisch nach! Kundenproteste werden bei den Geldhäusern sehr genau registriert und wahrgenommen. Ganz in diesem Sinne: Cool people do business with good banks.

Liebe Bank XY,
leider musste ich meine Geldkarten von dir zerschneiden, um in meiner Geldbörse Platz für jemand Neues zu machen. Und ich muss sagen: es fühlt sich toll an. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich die neue Karte der nachhaltigen Bank XY an der Kasse zum Bezahlen
zücken darf.

Lennart Arendt
Veröffentlicht am 05. Jan. 2018
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