Isländisches Moos

Cetraria islandica Ach.

Wirkung

Das Isländische Moos enthält viele schleimartige Glucane und bittere Flechtensäuren. Diese regen die Magensaftsekretion an und beruhigen die Schleimhäute. Zudem haben die Flechtensäuren eine antimikrobielle Wirkung. Nebenwirkungen sind bei ordnungsgemäßem Gebrauch nicht bekannt.

Aussehen

Das Isländische Moos ist eine Flechte und wächst auf der Erde. Die Oberseite ist braungrün, die Unterseite meistens ebenfalls braun bis grau-weißlich. Ihre meist geweihartig verzweigten Triebe erreichen eine Höhe von bis zu 6 cm.

Verwendete Pflanzenteile

Für Isländisches Moos-Präparate werden die so genannten Thalli (gesamter braungrüner Teil der Flechte) verwendet. Diese stammen von den Flechtenarten C. islandica und C. ericetorum und werden nach ihrer Ernte getrocknet.

Verbreitung

Das Isländische Moos ist vor allem über in der nördlichen Hemisphäre verbreitet und besiedelt dort die borealen, alpinen und arktischen Regionen.

Islandmoos Illustration

Geschichte und Rituale

Der Inselstaat Island befindet sich südöstlich von Grönland und ist in seinem Landschaftsbild geprägt durch eisige Gletscher, teilweise aktive Vulkane und einem enormen Wasserreichtum. Auf dieser Insel und auch in anderen nordischen Ländern ist das Isländische Moos beheimatet. Das Moos, welches eigentlich eine Flechte ist, breitet sich dort gemeinsam mit weiteren Pflanzen bodennah in windigen Höhen aus.

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Dr. Urban Hjärne

Trotz seines bitteren Geschmacks haben die circa 3000 wild lebenden Rentiere auf Island eine Vorliebe für das geweihartige Gewächs. Auch die Inselbewohner selbst verwendeten die Pflanze in vergangenen Zeiten als Nahrungsmittel. Aus dem Isländischen Moos wurde ein Brei oder eine sogenannte Grassuppe gekocht. Dazu wurden in einem besonderen Verfahren die Bitterstoffe entfernt. Das Gericht wird von den Insulanern Fjallagrasasupa genannt und wurde zur Kräftigung des Körpers gegessen.

Erst ab dem 17. Jahrhundert galt die Flechte auch als Arzneipflanze und wurde gegen Atemwegserkrankungen und andere Leiden eingesetzt. Nachdem das Isländische Moos und das Wissen um deren Heilkraft ihren Weg durch Europa gefunden hatten, lobte auch der schwedische Arzt und Naturforscher Urban Hjärne (1641-1724) die Pflanze als heilsam. In dieser Zeit fand die Flechte ihre Anwendung auch bei Husten, Heiserkeit, Bronchialleiden, Magenproblemen, Blasenentzündungen und bei Erschöpfungszuständen.

Der Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) nahm die isländische Flechte im 18. Jahrhundert in den medizinischen Gebrauch auf, indem er sie in einem schwedischen Pflanzenverzeichnis registrierte. Linné gehörte zu den Gründern der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und war deren erster Präsident.

In der rituellen Welt sollte die magische Pflanze dabei helfen, kaltes Wetter weniger stark zu empfinden. Es hieß, man solle sie bei sich tragen, wenn man eine längere Zeit im Freien verbrachte oder auf Reisen durch kalte Regionen war. Auch wurde empfohlen, sie nach Niflheim mitzunehmen, an einen Ort, der in der nordischen Mythologie eiskalt ist und der dunklen Welt angehört. Eine weitere Legende erzählt, dass Jesus Christus als Bettler getarnt zu einem Bauernhaus ging, in dem Reichtum und Übermaß herrschten. In diesem badete die Bäuerin in Milch statt in Wasser. Da der Wohlstand vom zahlreichen Wuchs der Misere, also dem isländischen Moos, herrührte und dieser die Milchkühe nährte, bat Jesus die Hausherrin um ein Almosen. Die verwöhnte Bäuerin allerdings verwehrte ihm dieses und verwies ihn der Tür. Als Lehre für ihre Mitleidlosigkeit verbannte Jesus die Pflanze in die höhen der Berge und verbarg sie unter dem Schnee. Seitdem, so wird sich erzählt, wächst das Isländische Moos nur noch in der nordischen Kälte und auf windigen Bergen. Eine Misere für die hartherzige Frau, die sich von da an bescheiden musste.

In der heutigen Naturheilkunde wird die Flechte bevorzugt in Form von Lutschtabletten oder Tees gegen Schleimhautentzündungen im Mund -und Rachenraum oder gegen Husten verabreicht.

Das Isländische Moos hat in seinem eigenwilligen Wuchs Ähnlichkeit mit einer Koralle aus dem Meer und wird unter anderem als Blutlungenmoos, Fiebermoos und Hirschhornflechte bezeichnet.

  • Anwendungsgebiete:
  • Appetitlosigkeit
  • Reizhusten
  • Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum
Veröffentlicht am 20. Mär. 2018
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